Durchblick im Bio-Dschungel – Die wichtigsten Bio-Siegel

Immer mehr Verbraucher achten ganz bewusst auf die Herkunft ihrer Lebensmittel. Wie gut, dass es spezielle Siegel gibt, die die Auswahl deutlich erleichtern. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Im Dschungel der unzähligen Öko- und Bio-Siegel lauern nämlich zahlreiche Stolperfallen. Schließlich steckt nicht überall Bio drin, wo der Anschein von Bio erweckt wird. Welche Bio-Siegel taugen also wirklich etwas und bei welchen Formulierungen ist Vorsicht geboten?

Durchblick im Bio-Dschungel – Die wichtigsten Bio-Siegel
Bild: ChristArt / stock.adobe.com

Was ist wirklich Bio?

Mittlerweile haben Erzeuger, Verarbeiter und der Handel etliche Bio-Siegel und Slogans entwickelt, die die angebotenen Erzeugnisse als Produkte in Bio- oder Öko-Qualität kennzeichnen sollen. Kein Wunder, dass die Verwirrung bei vielen Verbrauchern groß ist. Die EG-Öko-Verordnung schlägt hier allerdings eine Bresche ins Dickicht und definiert eine ganz klare Regel:

Überall dort, wo „Bio“ oder „Öko“ draufsteht, ist auch „Bio“ bzw. „Öko“ drin.

Dafür sorgt die EG-Verordnung, laut der viele Begriffe als sogenannte „geschützte“ Begriffe bzw. Formulierungen definiert sind. Solche Formulierungen dürfen laut der EG-Verordnung nur dann auf ein Produkt aufgebracht werden, wenn mindestens 95 Prozent aller Zutaten aus landwirtschaftlichem Ursprung aus ökologischem Landbau stammen. Produkte, die ein „Bio“ oder „Öko“ sowie anderweitige geschützte Begriffe im Namen tragen, genügen also zumindest den EU-weit gültigen Standards der EG-Verordnung.

Weitere nach der EG-Verordnung geschützte Begriffe:
• „ökologisch“
• „biologisch“
• „biologisch-organisch“
• „biologisch-dynamisch“
• „biologischer Landbau“
• „ökologischer Landbau“
• „kontrolliert biologisch“
• „kontrolliert ökologisch“

Vorsicht vor irreführenden Bezeichnungen

Manche Hersteller erwecken mit speziellen Formulierungen den Eindruck von Bio- bzw. Ökolebensmitteln, um vom Nachhaltigkeitsgedanken der Verbraucher zu profitieren. Eines vorweg: Nur weil ein Lebensmittel konventionell erzeugt wurde und kein „echtes“ Öko-Siegel trägt, handelt es sich bei Weitem nicht um ein schlechtes Lebensmittel. Viele mit modernsten Methoden erzeugte Produkte sind qualitativ gar besser und mit weniger Schadstoffen belastet als Bio-Produkte. Nichtsdestotrotz ist das Vortäuschen einer zu 100 Prozent ökologischen Erzeugung ein Versuch der Verbrauchertäuschung, die nicht geduldet werden kann. Verbraucher sollten daher auf irreführende Bezeichnungen achten, die nicht sicherstellen, dass es sich um Bio-Produkte handelt.

Beispiele für irreführende Bezeichnungen
• „aus alternativer Haltung“
• „aus umweltschonendem Anbau“
• „aus kontrolliertem Anbau“
• „aus integrierter Landwirtschaft“
• „ohne Spritzmittel“
• „ungespritzt“
• „erzeugt unter unabhängiger Kontrolle“
• „von staatlich anerkannten Bauernhöfen“
Auch Namenszusätze wie „natürlich“ oder „naturrein“ sind nicht gleichbedeutend mit „Bio“ oder „Öko“. Aber immerhin garantieren diese, dass die entsprechenden Produkte nicht bestrahlt wurden und keine Zusatzstoffe sowie Rückstände von Tierarznei- oder Pflanzenschutzmitteln enthalten.

„Echte“ Öko- und Bio-Siegel sorgen für Sicherheit

Wer sich nicht auf spitzfindige Formulierungen einlassen möchte, der achtet auf das Vorhandensein von offiziellen Öko- und Bio-Siegeln. Auch hier gibt es allerdings beispielsweise Unterschiede zwischen dem staatlichen Bio-Siegel, das den Kriterien der EG-Öko-Verordnung genügt, und den zahlreichen Siegeln von Anbauverbänden, die in vielen Bereichen noch deutlich strikter sind.

Die wichtigsten Bio-Siegel im Überblick

1. EU-Bio-Siegel

Das EU-Bio-Siegel wurde im Jahr 2010 eingeführt. Dieses garantiert unter anderem, dass mindestens 95 Prozent aller landwirtschaftlich produzierten Zutaten nach strengen ökologischen Maßstäben produziert worden sind. Produkte, die dieses Siegel tragen, sind zudem mit einem Code versehen, über den sich die Kontrolle der Erzeugerbetriebe nachverfolgen lässt. Jeder der betreffenden Betriebe wird mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der Zertifizierungsbestimmungen kontrolliert.

Weitere Kriterien:
• Kein Einsatz von Gentechnik
• Keine Verwendung synthetischer Pflanzenschutzmittel
• Keine synthetischen Konservierungs-, Farb- und Süßstoffe
• Keine Verwendung ionisierender Strahlung zur Konservierung
• Sehr beschränkte Anzahl erlaubter Zusatzstoffe
• Verwendung leicht löslicher Mineraldünger

2. Deutsches Bio-Siegel

Das seit 2001 existente deutsche Bio-Siegel ist neben dem EU-Bio-Siegel heute auf mehreren 10.000 Produkten zu finden. Damit entsprechen die so gekennzeichneten Produkte voll der EU-Öko-Verordnung. Hersteller verzichten hier beispielsweise auf künstliche Farb- und Aromastoffe. Hinzu kommt der Einsatz von 100 Prozent ökologischem Futter für Tiere und der stark beschränkte Einsatz von Antibiotika. Lebensmittel dürfen darüber hinaus nur maximal fünf Prozent konventionell angebaute Bestandteile beinhalten.

3. Bioland-Siegel

Bioland ist einer der bedeutendsten Anbauverbände Deutschlands, die nach ökologischen Kriterien arbeiten. Hierbei gehen die weit über 5.000 Biobauern und rund 1.000 Lebensmittel-Produzenten deutlich über die Kriterien der EU-Öko-Verordnung hinaus. Ein besonderer Fokus liegt beispielsweise darauf, die Fruchtbarkeit des Bodens langfristig und ohne Einsatz von Gentechnik zu erhalten. Besondere Regeln gelten auch für die Fleisch- und Wurstproduktion, zumal die Hersteller zu 100 Prozent deklarieren müssen, was in den einzelnen Erzeugnissen steckt.

4. Naturland-Siegel

Das Naturland-Siegel wurde 1982 ins Leben gerufen und erstreckt sich nicht nur auf die Lebensmittelproduktion. Vielmehr umfasst die Zertifizierung auch die Herstellung von Kosmetik- und Textilprodukten sowie die nachhaltige Waldnutzung und den Betrieb von Aquakulturen. Die Einhaltung der im Vergleich zu den Mindeststandards strikteren Regeln wird ebenfalls mindestens jährlich durch unabhängige Stellen geprüft. Interessant ist hier der Ansatz, dass die Nachhaltigkeitsrichtlinien im gesamten Prozess vom Erzeuger bis hin zum Verkauf eingehalten werden müssen.

5. Ecoland-Siegel

Auch der im Jahr 1997 gegründete Anbauverband Ecoland übertrifft die Mindeststandards. Ein wichtiges Merkmal ist die Förderung der regionalen Artenvielfalt. Das betrifft beispielsweise den Anbau seltener Kulturpflanzen oder die Schaffung von Vogelnistplätzen. Hinzu kommen Kriterien wie die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und die Errichtung wassersparender Bewässerungsanlagen. Besonderheit: Auch Gewürze und Kräuter aus der Ferne können mit diesem Siegel ausgezeichnet werden, sofern diese zu fairen Preisen und Arbeitsbedingungen erzeugt worden sind.

6. Biopark-Siegel

Der im Jahr 1992 gegründete Verband ist mittlerweile in 15 Bundesländern vertreten, sodass die mit dem Siegel ausgezeichneten Produkte beinahe im gesamten Bundesgebiet erhältlich sind. Großer Wert wird bei Biopark auf artgerechte Haltung und die enge Zusammenarbeit mit freien Sachverständigen gelegt. Typisch ist hier beispielsweise, dass das Tierfutter aus betriebseigenem Anbau stammt und weder tierischer Herkunft ist, noch leistungsfördernde Stoffe beinhaltet. Hinzu kommt der Verzicht auf chemisch-synthetische Betriebsstoffe.

7. demeter-Siegel

Um das demeter-Siegel zu erhalten, müssen Erzeuger ganz besonders strenge Bedingungen aus den Bereichen Tierschutz, Futterverwendung, Gentechnik, Anbauverfahren und Lebensmittelzusatzstoffe erfüllen. Diese gehen beim demeter-Siegel noch wesentlich weiter als bei anderen Siegeln über die Standards heraus. So dürfen beispielsweise nur 13 Lebensmittelzusatzstoffe verwendet werden. Zum Vergleich: Beim EU-Siegel sind es immerhin 47. Auch in puncto Tierhaltung geht demeter wesentlich weiter. Während der EU-Öko-Standard beispielsweise bis zu 20.000 Legehennen pro Gebäude erlaubt, sind es bei demeter nur 3.000. Unter dem Strich kann demeter als das Siegel mit dem höchsten Standard bezeichnet werden.

Worauf ist in der Praxis zu achten?

Viele Handelsketten setzen heute auf eigene „Bio-Labels“. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte darauf geachtet werden, dass zumindest das europäische bzw. deutsche Bio-Siegel ebenfalls auf der Verpackung vorhanden ist. Bekannte Eigenmarken, die mindestens den EU-Standards genügen, sind beispielsweise „BioBio“ des Discounters Netto und „EdekaBio“ der gleichnamigen Kette.
Auch Siegel wie „Ohne Gentechnik“, „Neuland“ oder „Fairtrade“ werden von Organisationen wie dem BUND empfohlen. Auch wenn diese nicht zwangsweise in Kombination mit den genannten Bio-Siegeln auftreten, stehen die betreffenden Zertifizierungen für hochwertige Lebensmittel mit deutlich erhöhten Standards in Sachen Tierschutz bzw. Nachhaltigkeit.
Vorsicht ist hingegen bei Siegeln wie „Öko-Test“ oder „QS“ geboten, da diese für sich genommen nur eine sehr beschränkte Aussagekraft haben. Wer also großen Wert auf Bio- bzw. Öko-Produkte legt, der achtet auf Lebensmittel, die zumindest mit dem EU-Öko-Siegel oder dem sechseckigen deutschen Bio-Siegel versehen sind. Verbraucher, denen besonders strenge Kriterien wichtig sind, greifen zu Lebensmittel mit den Bio-Siegeln der bekannten Anbauverbände.

Auch in der Strombranche kann zwischen herkömmlichen Anbietern und Ökoanbietern unterscheiden werden. Eine der aussagekräftigsten Zertifizierungen ist hier das ok-power-Siegel. Weitere Infos dazu gibt es hier.

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